Brunnenkresse (Nasturtium officinale) ist ein Kreuzblütler und eines der nährstoffdichtesten Gemüse überhaupt. Sie liefert Vitamin C, A, K und Folsäure sowie Eisen, Jod und Calcium. Ihre Senföle und Polyphenole zeigen in Studien antioxidative, entzündungsregulierende und im Labor antibakterielle Eigenschaften. Am Menschen gibt es bisher nur kleine, kurze Studien.

Was ist Brunnenkresse?

Brunnenkresse ist eine immergrüne, krautige Pflanze, die in klarem, fließendem Wasser wächst – an Quellen, Bächen und Gräben. Ursprünglich stammt sie aus Europa und Asien. Seit Jahrhunderten landet sie in der Küche und wurde in der traditionellen Pflanzenkunde unter anderem als harntreibendes Kraut verwendet.

Inhaltsstoffe: Warum Brunnenkresse als Functional Food gilt

Brunnenkresse hat eine außergewöhnlich hohe Nährstoffdichte – viel drin, wenig Kalorien. Das macht sie zu einem klassischen „Functional Food“, also einem Lebensmittel, das über die reine Sättigung hinaus interessant ist.

GruppeWas drinsteckt
VitamineVitamin C, Vitamin A (als Beta-Carotin), Vitamin K, Folsäure, außerdem Vitamin E und B-Vitamine
MineralstoffeEisen, Jod, Calcium, dazu u. a. Magnesium und Phosphor
Senföle (Isothiocyanate)Vor allem Phenethylisothiocyanat (PEITC), das aus dem Senfölglykosid Gluconasturtiin entsteht
PolyphenoleFlavonoide wie Quercetin, Rutin und Kaempferol sowie Phenolsäuren
CarotinoideBeta-Carotin, Lutein, Zeaxanthin

Die „Senfölbombe“: so entsteht die Schärfe

In intakten Blättern liegen Senfölglykoside (Glucosinolate) und ein Enzym namens Myrosinase getrennt voneinander. Erst wenn du die Blätter kaust, schneidest oder zerreibst, kommen beide zusammen – und es entstehen die scharfen Senföle. Für die Pflanze ist das ein Abwehrsystem gegen Fraßfeinde. Für die Forschung sind genau diese Senföle besonders interessant.

Was sagen die Studien?

Bevor wir in die Ergebnisse gehen, eine kurze Einordnung. Studien sind nicht gleich Studien:

  • Laborstudien (in vitro): Zellen oder Bakterien in der Petrischale. Zeigen, was grundsätzlich möglich ist – aber nicht, was im Körper passiert.
  • Tierstudien: meist an Ratten oder Mäusen. Näher dran, aber nicht 1:1 übertragbar.
  • Studien am Menschen: am aussagekräftigsten – bei Brunnenkresse allerdings bisher klein und kurz.

Antioxidativ: die am besten untersuchte Eigenschaft

Die bekannteste Humanstudie stammt aus Nordirland: 60 gesunde Erwachsene aßen acht Wochen lang täglich 85 g frische Brunnenkresse. Danach waren DNA-Schäden in bestimmten Blutzellen geringer, und der Blutspiegel von Lutein und Beta-Carotin stieg an. Am deutlichsten war der Effekt bei Raucherinnen und Rauchern (Gill et al., 2007).

Auch weitere kleine Studien mit Brunnenkresse-Extrakten fanden günstige Veränderungen bei Markern für oxidativen Stress. Ein Review aus 2025 fasst diese Ergebnisse zusammen – betont aber, dass die Studien klein und kurz sind und überwiegend Laborwerte statt echter Gesundheitsfolgen messen (Maluwa et al., 2025). Laut Laboruntersuchungen können Brunnenkresse-Extrakte zudem körpereigene Schutzenzyme anregen (Chaudhary et al., 2023).

Entzündungsregulierend

Senföle und Polyphenole der Brunnenkresse werden mit entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht (Albedwawi et al., 2025). Im Labor bremsen ihre Inhaltsstoffe Entzündungssignalwege und senken die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe wie TNF-α (Chaudhary et al., 2023).

Eine Studie der Leibniz Universität Hannover hat das am Menschen untersucht: 19 junge, gesunde Personen aßen einmalig 85 g frische Brunnenkresse und absolvierten danach ein intensives Radtraining. Drei Stunden später sanken bestimmte Entzündungsbotenstoffe in der Brunnenkresse-Gruppe stärker als in der Kontrollgruppe mit Eisbergsalat, und das Verhältnis verschob sich in Richtung entzündungshemmend (Schulze et al., 2021). Kurz nach dem Training waren manche Botenstoffe allerdings zunächst höher. Die Forschenden sprechen daher von einer immunmodulierenden Wirkung, deren klinische Bedeutung erst geklärt werden muss. Mit dabei im Forschungsteam: die Pflanzenwissenschaftlerin Prof. Dr. Jutta Papenbrock.

Antibakteriell: bisher vor allem im Labor

Extrakte der Brunnenkresse zeigen antibakterielle Eigenschaften, die vor allem den Senfölen zugeschrieben werden (Khaled et al., 2019). Ein Review beschreibt Aktivität gegen grampositive und gramnegative Bakterien – darunter auch uropathogene Escherichia coli, also jene Keime, die am häufigsten hinter Blasenentzündungen stecken. Zudem gibt es Hinweise, dass Inhaltsstoffe der Brunnenkresse die Zellwand von Bakterien beeinträchtigen können (Chaudhary et al., 2023).

Wichtig für die Einordnung: Diese Ergebnisse stammen aus Laborversuchen. Ob und in welchem Ausmaß sich das auf den menschlichen Körper oder die Blase übertragen lässt, ist nicht untersucht. Brunnenkresse ist kein Ersatz für eine ärztliche Behandlung einer Harnwegsinfektion.

Niere, Blase und Wasserlassen

Traditionell gilt Brunnenkresse als harntreibend, und Untersuchungen beschreiben eine mild diuretische Wirkung (Chaudhary et al., 2023). In Laborversuchen und Tierstudien verminderten Brunnenkresse-Extrakte oxidativen Stress auch in Nieren- und Blasengewebe. Einzelne kleine Studien an Dialysepatient:innen fanden günstige Veränderungen bei Nierenwerten (Maluwa et al., 2025).

Mein Fazit zur Studienlage

Brunnenkresse ist kein Wundermittel – gut belegt ist aber ihr Nährstoffreichtum. Die antioxidativen Effekte sind am Menschen ansatzweise gezeigt. Entzündungsregulierende und antibakterielle Eigenschaften sind vielversprechend, stützen sich aber vor allem auf Labor- und Tierdaten und wenige kleine Humanstudien.

Brunnenkresse im Alltag

  • Roh essen: Senföle und Vitamin C sind hitzeempfindlich. Am besten roh im Salat, auf dem Brot, im Smoothie oder kurz vor dem Servieren über Suppen.
  • Kauen oder schneiden: Erst dadurch entstehen die Senföle.
  • Blutverdünner: Brunnenkresse enthält viel Vitamin K. Wenn du Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Marcoumar) nimmst, sprich größere Mengen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Mehr dazu im Podcast

Wie Brunnenkresse wächst, was in ihr steckt und was die Forschung dazu sagt, bespreche ich mit Prof. Dr. Jutta Papenbrock in der Folge „5-fach-Kombination für Immunsystem und Schleimhäute“ im Blasen-Podcast. Die Podcastfolge wurde von ANGOCIN® Mannose Plus gesponsert.

🎧 Zur Folge auf Spotify

Brunnenkresse ist als Trockenextrakt auch in ANGOCIN® Mannose Plus enthalten, einem Nahrungsergänzungsmittel aus der Apotheke. Neben Brunnenkresse stecken darin D-Mannose, Cranberry-Pulver (Qcran®), Vitamin D3 und Vitamin B3. Vitamin D3 trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei, Vitamin B3 zur Erhaltung normaler Schleimhäute, z. B. der Blasenschleimhaut. Das Produkt gibt es als Direktstick, der ohne Wasser eingenommen werden kann.

Häufige Fragen zur Brunnenkresse

Ist Brunnenkresse gesund?

Ja, Brunnenkresse gehört zu den nährstoffreichsten Gemüsesorten. Sie liefert Vitamin C, A, K und Folsäure sowie Eisen, Jod und Calcium – bei sehr wenigen Kalorien.

Wirkt Brunnenkresse antibakteriell?

Im Labor zeigen Brunnenkresse-Extrakte antibakterielle Eigenschaften, auch gegen E. coli-Stämme, die Harnwegsinfekte auslösen.

Hilft Brunnenkresse bei Blasenentzündung?

Dafür gibt es keine Belege aus Studien am Menschen. Bei Beschwerden wie Brennen, Schmerzen, Fieber oder Blut im Urin solltest du ärztlich abklären lassen.

Wie viel Brunnenkresse wurde in Studien gegessen?

In den bekanntesten Humanstudien waren es 85 g frische Brunnenkresse – das entspricht etwa einer großen Schüssel Salat.

Was macht Brunnenkresse so scharf?

Senföle. Sie entstehen, wenn beim Kauen oder Schneiden Senfölglykoside und das Enzym Myrosinase zusammenkommen.

Quellen

  • Gill CIR et al. (2007): Watercress supplementation in diet reduces lymphocyte DNA damage and alters blood antioxidant status in healthy adults. American Journal of Clinical Nutrition, 85(2):504–510.
  • Schulze H, …, Papenbrock J, Schuchardt JP (2021): Immunomodulating Effect of the Consumption of Watercress (Nasturtium officinale) on Exercise-Induced Inflammation in Humans. Foods, 10(8):1774. Volltext
  • Maluwa C et al. (2025): Watercress (Nasturtium officinale) as a Functional Food for Non-Communicable Diseases Prevention and Management: A Narrative Review. Life, 15(7):1104. Volltext

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Qcran® ist eine eingetragene Marke von PharmaLinea Ltd.

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